Jesus versus Jaldabaoth –
Gnostische Elemente in den Paulusbriefen
Die vorliegende kleine Schrift zieht die Konsequenz aus zwei
Beobachtungen:
1. Gnosis ist ein Phänomen des 2. nachchristlichen Jahrhunderts (moderne
Forschung).
2. Die Paulusbriefe sind gnostisch beeinflusst (Religionsgeschichtliche
Schule).
Als notwendige Schlussfolgerung ergibt sich, dass die gnostischen
Elemente entweder später eingefügt wurden bzw., da dieses nicht möglich
ist, dass die paulinischen Texte aus dem 2. nachchristlichen Jahrhundert
stammen.
Da die zweite These von heutigen Theologen (aus guten Gründen, d.h. um
eben jene Schlussfolgerung zu vermeiden) in Frage gestellt wird, soll
die Beeinflussung durch die mythologische Gnosis des zweiten
Jahrhunderts in Auseinandersetzung mit modernen Forschungspositionen an
drei zentralen Beispielen nachgewiesen werden: Phil 2:6-11
(„Christushymnus“), 1 Kor 2:6-81 („Herrscher dieser Weltzeit“) und Kor
15:8 (Paulus als „Fehlgeburt“). Dabei zeigt sich:
1) Im „Christushymnus“ ist, wie hier erstmals behauptet wird, Jesus Anti-Typus des gnostischen Gottes Jaldabaoth;
2) mit den „Herrschern dieser Weltzeit“ in 1 Kor 2:6-8 sind die
Archonten des gnostischen Mythos gemeint;
3) 1 Kor 15:8 ist Bezugnahme auf einen in der Gnosis geläufigen Topos.
17. März 2013: In diesen
vorösterlichen Tagen habe ich, gerade noch zur rechten Zeit, ein
„Osterei“ entdeckt: die erste deutsche Übersetzung des Aufsatzes „Jésus
Barabbas“ von P.-L. Couchoud und R. Stahl (1930). Sie stammt von meinem
langjährigen Freund und Mitstreiter Frans-Joris Fabri und wurde
bereits 2007 abgeschlossen. Erst jetzt bemerkten wir, dass sie jahrelang
auf der Festplatte gelegen hatte und noch nicht auf der
radikalkritik-Seite, für die sie bestimmt war, veröffentlicht worden
war.
In einer Zeit, in der manche „Mythizisten“
meinen, sie hätten das Rad neu erfunden, ist es vielleicht nicht ganz
unwichtig, von Zeit zu Zeit auf die Quellen hinzuweisen, aus denen sie
schöpfen. Bleiben wir bescheiden. Wir stehen auf den Schultern großer
und genialer Vorgänger. Viel Wichtiges wurde schon gesagt. Mitunter
besteht unsere ganze Originalität nur darin, an etwas erinnert zu haben,
was ohne uns vielleicht in Vergessenheit geraten wäre. Dass manch gute alte Idee einer zeitgemäßen
Auffrischung oder gründlicher Revision bedarf, steht auf einem anderen
Blatt. Also keine Angst: Unsere Kreativität, unsere Fantasie, unsere
Kompetenz sind nach wie vor gefragt. Je mehr wir davon haben, desto
offener werden wir mit den von uns benutzten Quellen umgehen und auch
andere daran teilhaben lassen ...
Wer mehr über die Person des Verfassers,
den 1959 verstorbenen französischen Radikalkritiker, Philosophen,
Schriftsteller und Arzt Paul-Louis Couchoud wissen möchte,
sei auf den schönen englischen
Wikidpedia-Artikel verwiesen (eine pdf-Datei der maßgeblichen
Version vom 11. März 2013 finden Sie auf dem Server dieser Seite
hier). Schön
wäre es , wenn es auch einen deutschen Wikipedia-Artikel über den
genialen Franzosen und sein Werk gäbe!
HD
16. März 2013: Auf seiner
Webseite hat der Chronologiekritiker und Autor Uwe Topper mein Buch:
Falsche Zeugen besprochen. Die Rezension können Sie
hier
(Seite "chronologiekritik") bzw.
hier (Seite "radikalkritik") lesen. HD
Price, Robert M. (2011): The Amazing Colossal Apostle: The Search for
the Historical Paul. The Search for the Historical Paul: Signature Books.
Wir mussten lange warten. Immer wieder wurde es angekündigt, immer
wieder wurde der Termin der Veröffentlichung verschoben. Ende 2012 war
es dann soweit. Unsere Geduld wurde belohnt. Der Kinovorhang öffnete
sich, ein Raunen ging durch den Saal: Price-Production proudly
presents „The Amazing Colossal Apostle.“ Womit sich gleich am Anfang
die Frage nach dem Starring stellt. In der Rolle des großen
Apostels sehen wir – ja wen eigentlich? Geduld, lieber Leser, soweit
sind wir noch nicht. Der Reihe nach…
wie Du sicher gehört hast, ist Thomas L. Brodie inzwischen als Direktor
des Dominican Biblical Center in Limerick zurückgetreten, vielleicht auch „zurückgetreten
worden“, so ganz genau weiß man das in Kirchenkreisen nie. Einige
Zeitungen melden, Brodie selber solle die Initiative zu diesem Schritt ergriffen haben. Das ist aber
nicht sehr glaubwürdig. Es bleibt der Verdacht, dass Brodies
Ordensbrüder ein wenig nachgeholfen haben.
Wie dem auch sei.
Ich habe das Buch „Beyond the Quest for the Historical Jesus“ inzwischen gelesen. Brodies
Grundthese, die Evangelien seien durch alttestamentliche Erzählungen
(z.B. die Elia-Geschichten) beeinflusst worden, enthält viel Richtiges.
Sie ist natürlich auch nicht mehr ganz taufrisch...
Zwei neue
Jesus-Bücher:
Thomas L. Brodie: Beyond the Quest
for the Historical Jesus
Paul J. Weiland: Ein Messias aus Galiläa
Ein neues Jesusbuch, in dem nicht nur die
historische Existenz des Mannes aus Nazareth, sondern auch die
Echtheit sämtlicher Paulusbriefe bestritten wird. In dem überdies die
These vertreten wird, dass Christus als "Ikone Gottes" zu begreifen sei
und uns in literarisch-poetischer Form eine Anschauung vom Unanschaulichen
vermittelt. - Keine Angst, ich habe kein neues Buch geschrieben
(jedenfalls keines zu diesem Thema). Das Buch stammt vielmehr aus der
Feder des irischen Bibelwissenschaftlers Thomas L. Brodie. Der
Autor ist nicht irgendwer, sondern Mitglied des Dominikaner-Ordens
und Direktor des "Dominican Biblical Center" in Limerick/Irland. In
seinem Buch schildert er, in Form eines Berichts über eine persönliche
40-jährige Entdeckungsreise, seinen Weg vom historischen zum
rein symbolischen Verständnis der Evangelien und deren Hauptfigur...
weiter
I don’t think, however, that in
another 20 years there will be a consensus that Jesus did not exist, or
even possibly didn’t exist, but a recognition that his existence is not
entirely certain would nudge Jesus scholarship towards academic
respectability.
Philip Davies, Emeritus Professor of
Biblical Studies at the University of Sheffield,
Soeben eingetroffen:
der "neue Price"
Prof.
Robert M. Price hat den Freunden und Liebhabern der radikalen Kritik
in diesem Jahr ein Weihnachtsgeschenk gemacht und ein Buch über den "amazing,
colossal" Apostel Paulus verfasst. Aber auch notorische Nicht-Freunde
und Nicht-Liebhaber, ja selbst erklärte Gegner könnten viel aus dem Buch
lernen, sofern sie nur wollten, was sich leider unter Theologen nicht
von selbst versteht. Price's Buch ist ein neuer, imposanter Beitrag, die
These von der Unechtheit sämtlicher Paulusbriefe wissenschaftlich zu
fundieren und ihr zu noch mehr Fleisch und Blut zu verhelfen.
Eine Rezension folgt Anfang des neuen Jahres.
Paul does not
have a unitary voice, is not a single author whose implied
opinions might be synthesized and parroted. He is not even a single
historical figure. He is certainly not a divine apostle who received
his gospel ... no author, no authority, only texts – and finally not
even texts but fragments. All we can do, it seems to me, is read
them for what they have to say, or seem to be saying, and let them
strike us as they may.
Aus dem "Waschzettel" ("blurb"):
„This book represents a paradigm shift
in the field of Pauline research. It is an „amazing colossal“ book in
which Price places Paul s epistles within historical context and,
through careful, detailed exegesis, shows that they are best interpreted
as pseudepigraphica! works. He sets new standards for future work
regarding the historical Paul and the authenticity of his literature.”
— Hermann Detering, PhD, theology, Berlin, author of Falsche Zeugen (False
Witnesses) and Der Gefälschte Paulus (The Fabricated Paul)
„Paul, Paid, Paul. Everyone is writing Paul books now, flogging dead
horses as if there were somewhere new to go. There is, and Price moves
forward to a pre-biblical Paul, the one who never became a Christian,
the unknown Paul. Few have seen fit or have been able to explore these
areas, but Price takes us places others fear to tread because they are
constrained by lack of historical insight and belief. But it is a voyage
well worth the journey.”
—Robert Eisenman, director, Institute for the Study of Judaeo-Christian
Origins, California State University Long Beach; author of James, the
Brother of Jesus and The New Testament Code
Robert M. Price is Professor of Scriptural Studies at the Johnnie
Cole-mon Theological Seminary, past editor of the Journal of Higher
Criticism, and host of The Human Bible podcast. He is author of The
Pre-Nicene New Testament and The Reason-Driven Life.
Ein interessierter Leser stellte mir jüngst die Frage, ob nach meiner
Ansicht die Möglichkeit irgendeines Zusammenhangs zwischen Judas dem
Galiläer und dem historischen Jesus bestünde. Auch in dem Sinne,
dass Züge des Judasbildes später auf Jesus übertragen wurden. Ich greife
die Frage, die mir spannender erscheint als die absurde Debatte über
eine vermeintliche Ehefrau Jesu, deren historische Existenz mir schon
deswegen nicht feststehen kann, weil mir die ihres vermeintlichen Mannes
nicht feststeht, gerne auf.
Für unsere Kenntnis des historischen Judas sind wir ausschließlich auf
den jüdischen Historiker Josephus angewiesen
weiter htmpdf
Eine Reaktion der TheologInnen "vom Fach" ist bisher bezeichnenderweise
ausgeblieben. Außer einem Hinweis in der Rubrik "Eingegangene Bücher" in
der ZNW gab es - immerhin ein Jahr nach der Veröffentlichung des Buches
- bisher keine einzige Reaktion in einem kirchlichen oder theologischen
Organ. Auch eine Antwort! So soan's halt, die Herren und Damen
Theologen, wenn Ihnen nix mehr einfällt, heißt's:
... schweigen, schweigen, fein leise
vorüber schleichen, tun als ob nichts geschehn wäre, damit das Publikum
glaube, dass was so Einer wie ich sagt nicht wert sei, dass man auch nur
hinhöre: nun freilich; sind sie doch vom Ministerio zur Philosophie
berufen, und ich bloß von der Natur.
Man ersetze in dem Schopenhauer-Zitat das
Wörtchen "Philosophie" durch "Theologie" und sehe: die Zeiten haben sich
nicht geändert.
Hinzuweisen ist noch auf Ronald
Biliks, auch in "Aufklärung und Kritik" (1/2012 - 297-291) erschienene
Rezension in FreidenkerIn (4/11). Am meisten scheint der Rezensent dem
Autoren zu verübeln, dass er seine historischen Prämissen mit dem
christlichen Glauben vereinbaren kann. Bilik nimmt Anstoß an der
im Buch geäußerten These, dass es in der Religion nicht um
Faktizität, sondern nur um existentielle Wahrheiten gehen könne. "An
dieser Stelle", so Bilik, zeige "sich der Sieg der frühkindlich
indoktrinierten Emotionen über das logische Denkvermögen" (S. 291).
Mir will vielmehr scheinen, dass sich dieser Stelle das mangelnde
Abstraktionsvermögen des Rezensenten zeigt sowie ein erhebliches
Manko an religionspsychologischer Kenntnis über den wesenhaft
symbolischen Charakter religiöser Aussagen. - Zudem hat sich der
Autor sehr darüber gewundert, dass Bilik Wissen über den "gelernten
Christen" Detering und dessen "frühkindlich indoktrinierte Emotionen"
beansprucht. Mit seiner Formulierung belegt Bilik schlagend, dass er
davon gar nichts weiß. Die dümmliche Anmaßung entspricht ganz seiner
auch sonst praktizierten Methode, aus "Gar nichts" fantasievolle
Schlüsse abzuleiten. Wie den, die Evangelien könnten uns die Existenz
eines historischen Jesus beweisen...
Eine sehr ermutigende Email erhielt
ich in der vergangenen Woche von Herrn S. Zschocke:
Sehr geehrter Herr Detering.
Voriges Jahr habe ich, durch einen glücklichen Umstand, ihr äußerst
interessantes Buch "Falsche Zeugen - außerchristliche Jesuszeugnisse auf
dem Prüfstand" und darauf hin ebenso Ihr Buch "Der gefälschte Paulus"
gelesen. Eigentlich sind es genau jene Bücher, welche ich lange Zeit
gesucht hatte und viele meiner Fragen nun
fast restlos beantworten. Zudem gefällt mir Ihr Schreibstil und ihr
Humor außerordentlich. Ihre Art, den Leser behutsam und mit
Augenzwinkern auf Ihren Gedankengängen mitzunehmen, ist sehr
sympathisch. Dem Leser wird klar, daß hier ein Autor schreibt, welcher
hochintelligent ist, und gar nicht böse argumentiert, sondern mit einem
feinen Humor und einem unbestechlichen Verstand. Es ist einfach
vortrefflich und eine hohe Kunst, die deutsche Sprache in so eleganter
Weise zu beherrschen. Und an so manchen Stellen haben Sie mich zum
herzlichen Lachen gebracht. Beide Bücher habe ich nunmehr an Freunde
verliehen in der Hoffnung, sie mögen sich sowohl an Ihren scharfsinnigen
Argumentationen erfreuen, als auch an der herzerfrischenden humorigen
Art und Weise Ihres Schreibstils.
Bruno Bauer (1809-1882) gilt als Enfant
terrible unter den Theologen des 19. Jahrhundert und als Wegbereiter der
radikalkritischen Schule. In seinem Werk bestreitet er sowohl die
historische Existenz Jesu von Nazareth wie die Echtheit sämtlicher
Paulusbriefe. In dem 1877 entstandenen und 1879 in zweiter Auflage
erschienenen
Buch „Christus und die Caesaren“ zeichnet Bauer die Entstehung des
Christentums vor dem Hintergrund der römischen Kaisergeschichte des 1.
und 2. Jahrhunderts. Das Werk gibt
eine abschließende Zusammenschau seiner Ideen und gilt als Klassiker der
Radikalkritik.
Die kindle-Ausgabe des Buches enthält
weiterhin meinen Aufsatz über „Bruno Bauers theologische Erben“. Er
entstand aus Anlass des 200. Geburtstags Bruno Bauers im Jahre 2009 und
skizziert Bauers Einfluss auf die nachfolgende Theologiegeschichte.
Erstveröffentlichung in: Klaus-Michael Kodalle (2010): Bruno Bauer
(1809-1882) ein "Partisan des Weltgeistes"?, S. 75-84, Würzburg:
Königshausen & Neumann
12. Juli 2012 - Die Bestimmung der
Irrlehrer des Kolosserbriefs führte bisher zu negativen Resultaten, weil
die Exegeten von der nicht beweisbaren Voraussetzung einer Entstehung
des Schreibens in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts ausgingen.
Richtiger wäre es, von den religionsgeschichtlichen Parallelen im 2.
Jahrhundert zu einer Datierung des Schreibens fortzuschreiten.
Zahlreiche Parallelen zwischen kolossischer Irrlehre und der im 2.
nachchristlichen Jahrhundert entstandenen judenchristlichen Sekte des
Elchasai können zeigen, dass wir es dabei offenbar mit ein und derselben
Gruppierung zu tun haben. Nicht nur sind beide Häresien durch die
Synthese von Beschneidung und Stoicheia-Dienst charakterisiert, für die
sonst jede religionsgeschichtliche Analogie fehlt. Es kann überdies auch
wahrscheinlich gemacht werden, dass Kol 2:18 Kenntnis des Buches
Elchasai voraussetzt.
>>>
So far, the exegetes’ attempts at
identifying the heretics in the Epistle to the Colossians have failed
because they started from the unprovable assumption, that the letter had
originated in the second half of the 1st century. A better approach
would take as its starting-point the parallels found in 2nd century
history of religion, and proceed from there in order to finally come to
a dating of that letter. A great many parallels between the Colossian
heresy and the Jewish-Christian sect of Elchasai that came up in 2nd
century clearly show that those groups are identical. Not only is the
synthesis of circumcision and the cult of the στοιχεῖα, of which there
isn’t any analogy elsewhere in the history of religion, a feature of
both heresies; one can moreover demonstrate it to be probable that Col.
2:18 presupposes knowledge of the Book of Elchasai.
>>>
Der Aufhänger des Buches ist
der folgende: Bart D. Ehrman, PhD, Distinguished Professor der
University of North Carolina at Chapel Hill, wollte eigentlich ein ganz
anderes, wichtigeres Werk schreiben, darüber nämlich, wie aus einem
jüdischen Endzeitpropheten namens Jesus ein göttliches Wesen bzw. Gott
wurde. Doch dann wurde er durch einige Emails aufgeschreckt. Er sah sich
plötzlich in Anspruch genommen durch eine Szene, die ihm bis dato
offenbar unbekannt war: Mythizisten, die sich für ihre
Behauptung, es habe keinen Jesus gegeben, auf seine Autorität beriefen!
Anlass und Grund genug für einen gewissenhaften „New Testament scholar“,
die Sache näher in Augenschein zu nehmen...
Hinweis: G.A. Wells, "Urgestein"
der Jesus-Skepsis , hat in der Juni/Juli-Ausgabe der
Free Inquiry eine kritische Besprechung des Ehrman Buches
veröffentlicht ("Ehrman on the Historicity of Jesus and on Early
Christianity"). Hier einige
Zitate:
(hpd) Jesus von Nazaret gilt heute auch
selbst vielen Atheisten als historisch belegte Person. Hermann Detering,
promovierter Theologe und Pfarrer im Ruhestand, hingegen ist nicht
dieser Auffassung. In seinem neuen Buch „Falsche Zeugen.
Außerchristliche Jesuszeugnisse auf dem Prüfstand“ zeigt er, dass auf
die als Belege für die Existenz Jesu herangezogenen antiken Quellen kein
Verlass ist.
Sehr geehrter Herr Detering, hat Jesus wirklich gelebt? Die meisten
Theologen halten die historische Existenz von Jesus von Nazaret durch
biblische wie außerbiblische Zeugnisse hinreichend belegt. Sie sind
anderer Meinung?
Man sollte sich durch so viel Einmütigkeit nicht einschüchtern lassen.
Für mich galt und gilt immer der Satz Bertrand Russells, dass dort
besondere Vorsicht angebracht ist, wo sich alle Experten
einig sind... Weiter
nederlandse vertaling
Hat Jesus wirklich gelebt? Nach Ansicht
der meisten Theologen und Historiker ist die geschichtliche Existenz
Jesu von Nazaret nicht nur durch christliche, sondern auch durch
außerchristliche Quellen klar bezeugt. Als „Kronzeugen“ gelten vor allem
die antiken Historiker Josephus, Tacitus, Sueton sowie der römische
Literat und Statthalter von Bithynien, Plinius der Jüngere.
Moderne Untersuchungsmethoden lassen die Ursprünge des Christentums in
einem neuen Licht erscheinen. Stammt das Testimonium Flavianum, in dem
vom „weisen Mann“ Jesus die Rede ist, tatsächlich aus der Feder des
Josephus? Hat es die neronische Christenverfolgung wirklich gegeben?
Handelt es sich beim „Chrestus“ des Sueton um Jesus? Wie authentisch
sind die „Christenbriefe“ des jüngeren Plinius?
Es zeigt sich, dass die angeblichen „Jesuszeugnisse“ weder einen
historischen Jesus von Nazaret noch die Existenz eines frühen
Christentums im 1. Jahrhundert bezeugen können. Die negativen
historischen Resultate werfen die Frage nach der Bedeutung der
Geschichte für den christlichen Glauben auf.
Aus dem Inhalt
Christliche Interpolationen bei Flavius Josephus * Tacitus: Der Brand
Roms und die „neronische Christenverfolgung“ * Plinius der Jüngere –
Christenverfolgung in Bithynien * Leben und Werk des jüngeren Plinius *
Sueton: Christus in Rom - Sueton und seine Biographien römischer Kaiser
* Mara bar Serapion: der „weise König“ * Thallus: Ein Hinweis auf die
Passionsgeschichte? * Das Schweigen nichtchristlicher Quellen
Erst vor wenigen Wochen entdeckte ich bei
Arnobius (4. Jh. n. Chr.) eine bisher noch ganz
unberücksichtigte Parallele zum Brief des Mara bar Serapion.
Sie ist ein erneutes Indiz für die schon von Kathleen McVey
aufgestellte These, dass der Brief des Mara bar Serapion erst aus
dem vierten nachchristlichen Jahrhundert stammt.
Hier
die Stelle bei Arnonius sowie ein kurzer Kommentar.
Dr. Günther Schwab machte mich auf seine jüngst erschienene
Dissertation, eine zweibändige Echtheitsuntersuchung der Paulusbriefe,
darunter auch der bisher als echt betrachteten Briefe Phlm, Gal, Phil, 1
Thess, aufmerksam. Das Beweisziel klingt vielversprechend. Leider war es
mir bisher noch nicht möglich, mich näher mit dem Werk zu beschäftigen.
Bei der Echtheitskritik des Galaterbriefs scheint, wie aus dem
Inhaltsverzeichnis hervorgeht, vor allem die schon von Bruno Bauer
beobachtete Abhängigkeit von der Apostelgeschichte von großer
Bedeutung zu sein.
Das Beweisziel: "Als Beitrag zur
Erstellung einer philologisch-historisch nachvollziehbaren
echtheitskritischen Beurteilung des Corpus Paulinum und Korrektiv einer
in der Literatur zu den sogenannten Protopaulinen deutlich wahrnehmbaren
einseitigen Favorisierung der Echtheitsmöglichkeit weisen diese Studien
nach, dass die bisherigen Echtheitsurteile über vier der sieben „Protopaulinen“
— Philemonbrief (Phm), Philipperbrief (Phil), Galaterbrief (Gal) und
erster Thessalonikerbrief (1Thess) — unter Ausblendung echtheitskritisch
beachtenswerter Merkmale dieser Texte zustande gekommen sind. Es wäre
kein Zeichen von Parteilichkeit oder irgendeiner anderen
wissenschaftlichen Untugend, würde die etablierte Paulusforschung die
Möglichkeit, dass Phm, Phl, Gal und 1Thess fiktive, nicht von Paulus
stammende Briefe sind, ernster als bisher nehmen und die Echtheitsfrage
für jeden einzelnen „protopaulinischen“ Text neu aufrollen."
Aus dem Geleitwort von Prof. Wolfgang
Speyer
Da der Kanon des Neuen Testamentes Quelle
des christlichen Glaubens ist, waren und sind die Theologen bei der
Kritik der Verfasserschaft, als die die Kirche letztlich den Heiligen
Geist annimmt, weit zurückhaltender als gegenüber den ‚Apokryphen‘. Im
letzten halben Jahrhundert nahmen aber immer mehr Bibelwissenschaftler
zur Kenntnis, dass nicht nur die meisten Apostelschreiben unecht sind,
sondern dass auch das Corpus Paulinum pseudepigraphische Briefe in einem
größeren Maße enthält. So zogen sie sich schließlich auf die Festung von
sieben unbezweifelbaren Briefen des Apostels Paulus zurück.
Von diesen Voraussetzungen aus konnte Dr.
Günther Schwab, der bereits Aufsätze zu Sophokles und Sallust
veröffentlicht hat, die große Aufgabe auf sich nehmen, das, was die
neutestamentliche Wissenschaft bisher unterlassen hat, nachzuholen,
nämlich die Gesichtspunkte zusammenzutragen, die gegen die
Authentizität von vier der sieben ‚echten‘ Briefe des Paulus sprechen:
an Philemon, die Galater, die Philipper und an die Thessaloniker (1
Thess). Von den geplanten Bänden, die diese und die übrigen ‚echten‘
Briefe sprachlich-stilistisch und inhaltlich untersuchen sollen, liegt
hiermit der erste vor.
Der Verfasser analysiert in der weit
gespannten Einführung die Möglichkeiten der Echtheitskritik auf der
Grundlage der philologisch-historischen Methode, wobei er auch die
Vorgangsweisen der heutigen Kriminalistik mitberücksichtigt. So erhalten
wir einen ersten kritischen Überblick über die bisherige Geschichte und
den Inhalt der Echtheitskritik im Blick auf das Corpus Paulinum und auf
dessen Rezeption im 2. Jahrhundert. Dabei sind die Stimmen der
Bibelwissenschaftler des 19. Jahrhunderts ebenso präsent wie die des 20.
und des 21. Jahrhunderts.
Mit Hilfe der Möglichkeiten, die der
Computer bietet, gibt der Verfasser im Hauptteil einen feinteiligen
Sprach- und Stilvergleich zwischen den vier genannten Paulusbriefen und
den übrigen Paulusbriefen sowie der Apostelgeschichte. Das Ergebnis
dieser Untersuchungen zeigt, dass für die Annahme der Unechtheit mehr
spricht, als bislang registriert worden ist. Dem üblichen
Echtheitsurteil stehen beachtenswerte Indizienreihen entgegen.
Für den Mut und den Anstoß, die
Paulus-Frage neu zu durchdenken, gebührt dem Verfasser der Dank der
Mitforschenden.
STUDIES ON THE AUTHENTICITY OF THE FOUR MINOR PAULINE EPISTLES.
Volume 1, half-volumes A and B.
As a contribution to a philologically-historically comprehensible
assessment of the authenticity of the Pauline corpus and as corrective
to the one-sided preference for the possibility of authenticity – a
preference clearly visible in the research literature on the so-called
proto-Pauline epistles – these studies demonstrate that the current
judgments on the authenticity of four of the seven “proto-Pauline”
writings – Philemon (Phm), Philippians (Php), Galatians (Gal) and First
Thessalonians (1 Thess) – have been achieved by disregarding many
features of these texts relevant for judging the probability of
authenticity. It would not be a sign of bias or of any other scientific
vice, if the mainstream of Pauline researchers took the possibility more
seriously than up to now that Phm, Php, Gal and 1Thess are fictional
letters originating not from the apostle Paul, and would be willing to
reconsider the question of authenticity for every single “proto-Pauline”
text.
Jesusbücher gibt es viele,
vielleicht zu viele. Ein Jesusbuch mit einem Fragezeichen war bisher
noch nicht darunter. Nun ist es erschienen. Es heißt schlicht „Jesus?“,
stammt aus der Feder von Harald Specht und hat den Untertitel:
„Tatsachen und Erfindungen“.
Das Fragezeichen gibt die Richtung vor. Der Autor bemüht sich um Antwort
auf Fragen wie z.B.: Hat Jesus wirklich gelebt? War er ein Mensch aus
Fleisch und Blut? Oder ist er nur ein Phantom, die Erfindung einer
frühchristlichen Sekte? Warum weist die Bibel zahlreiche Ungereimtheiten
auf, wenn es um Jesu Herkunft, Geburt und Familie geht? Weshalb agierten
die ersten christlichen Gemeinden im Geheimen? Was hat es mit dem
rätselhaften Stern zu Bethlehem auf sich und wieso beteten noch im
Mittelalter Christen vor dem Petersdom zu Rom die Sonne an? Und was
haben Christus und Weihnachten mit der Wintersonnenwende zu tun? usw.
Die Antworten, dies sei vorweg gesagt, fallen
anders aus, als es die heutigen Leser von Papst Benedikt XVI., Klaus
Berger und Paul Verhoeven gewöhnt sein mögen: nachdenklicher,
skeptischer, kritischer, mit einem Wort radikalkritischer. Bei
der Alternative „Tatsachen oder Erfindungen“, „Fakten oder Fiktionen“
entscheidet sich der Autor in fast allen Fällen zugunsten der letzteren.
Nicht aus Prinzip, sondern mit Argumenten, alten und neuen, stärkeren
und schwächeren.
Den christlichen Quellen ist ein Abschnitt
gewidmet („Jesus im Neuen Testament – irgendetwas stimmt hier nicht“)
ebenso wie den nichtchristlichen: Josephus, Sueton, Tacitus und Plinius.
Weil geschichtliche Vergewisserung hier nimmermehr zu finden ist, bleibt
für den Verfasser „nichts, was wir noch zu glauben hätten.“ Doch ist es
überhaupt vorstellbar, dass wir es bei der Gestalt Jesu mit einer
Fiktion zu tun haben? Kapitel 5, die „Erfindung Jesu“, entwirft
Szenarien, wie es hätte sein können und wie aus einem Mythos Geschichte
werden konnte.
Der Verfasser beschließt sein Buch mit sieben Thesen. Das Buch, das mit
dem Motto „De omnibus dubitandum“ begann, endet, wen wundert’s,
mit der Feststellung, dass Jesus lebt, aber nie gelebt hat. Eine
schlechte Botschaft nur für die, die ihren christlichen Glauben mit dem
Fürwahrhalten historischer Tatbestände verwechselten.
Der Autor hat das Buch verfasst, weil er kein
aktuelles deutschsprachiges Buch fand, das die historische Suche nach
Jesus als Überblick für den Nichtexperten zusammenfasst. Die Lücke zu
füllen, ist ihm voll und ganz gelungen. So ein Buch hat es seit langem
im deutschprachigen Raum nicht gegeben. Eine spannende Tour durch die
Geschichte der Leben-Jesu-Foschung – mit besonderem Schwerpunkt
auf deren weithin vergessenem radikalkritischen Flügel, den „Zweiflern
und Leugnern“ – glänzend geschrieben und trotz seiner gut 600 Seiten
(654 mit Anmerkungen) sehr kurzweilig. Das richtige Buch für den
Weihnachtsgabentisch für alle, die es schon immer etwas genauer wissen
wollen und sich nicht mit frommen Sprüchen abspeisen lassen.
Dr. Harald Specht ist deutscher Wissenschaftler und Autor. Neben mehr
als 70 wissenschaftlichen Publikationen sowie zahlreichen Drehbüchern
und Filmkommentaren verfasste er auch mehrere Sachbücher und Romane.
Harald Specht: Jesus?
Tatsachen und Erfindungen, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2010
(19,90€) .
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"Hermann Detering once
again proves himself the most keenly insightful New Testament scholar of
this generation,
worthy to stand among the neglected giants of the radical criticism
whose work
he has brought to light to stir today's Bible students
from their deep
dogmatic slumbers.
My own debt to his work is profound."
Prof. Robert. M. Price
New Testament scholar Robert M. Price, one
of America's leading authorities on the Bible, here summarizes much of
the scholarship that has led him and a growing number of modern scholars
to conclude that Christ -- a partial synonym for Jesus of Nazareth -- is
mythical. Most usefully, Price has assembled evidence that shows that
almost the entire "biography of Jesus" has been created from Greek Old
Testament stories and themes and even incorporates motifs from Homer,
Euripides, and perhaps Aesop. Because readers will have a hard time "taking
it on faith" that the Jesus biography is merely a reworking of previous
material, broad swaths of "Old Testament" context are quoted in
association with each New Testament equivalent, so readers can judge for
themselves whether or not Dr. Price's claim be true: the "Live of
Christ" was not fulfillment of Old Testament prophecies; it was, rather,
a conscious reworking of earlier literature.