Prof. "Errorman" und die
nichtchristlichen Jesuszeugnisse
Zu
Bart Ehrmans Buch: Did Jesus exist?
Der Aufhänger des Buches ist
der folgende: Bart D. Ehrman, PhD, Distinguished Professor der
University of North Carolina at Chapel Hill, wollte eigentlich ein ganz
anderes, wichtigeres Werk schreiben, darüber nämlich, wie aus einem
jüdischen Endzeitpropheten namens Jesus ein göttliches Wesen bzw. Gott
wurde. Doch dann wurde er durch einige Emails aufgeschreckt. Er sah sich
plötzlich in Anspruch genommen durch eine Szene, die ihm bis dato
offenbar unbekannt war: Mythizisten, die sich für ihre
Behauptung, es habe keinen Jesus gegeben, auf seine Autorität beriefen!
Anlass und Grund genug für einen gewissenhaften „New Testament scholar“,
die Sache näher in Augenschein zu nehmen...
Hinweis: G.A. Wells, "Urgestein"
der Jesus-Skepsis , hat in der Juni/Juli-Ausgabe der
Free Inquiry eine kritische Besprechung des Ehrman Buches
veröffentlicht ("Ehrman on the Historicity of Jesus and on Early
Christianity"). Hier einige
Zitate:
On May 15, 2012, New Oxonian will play
host to a short consortium on the historical Jesus. The discussion
centers on recent attempts by internet bloggers to enter the scholarly
arena on the subject.
The Jesus Process is the beginning of an international consultation of
scholars who are taking up the Jesus question anew. The first collection
of essays by consultation members will be published in the winter of
2013.
I am happy to use this opportunity to announce the project, which will
be dedicated to promoting the highest standards in the non-parochial
investigation of Christian origins. The work of the project, including
information about how you can become associated with it, will be
available on its new website on June 15, 2012.
Any questions can be addressed to me
as comments on this site or to joseph.hoffmann@keble.oxon.org
Die Evidenz für einen historischen
Jesus aus der Sicht eines Philosophen: "... given the large
proportion of uncorroborated miracle claims made about Jesus in the New
Testament documents, we should, in the absence of independent evidence
for an historical Jesus, remain sceptical about his existence."
Christ
sein, die zweite -
Küng und sein Jesus 3. April 2012
Eigentlich ein Etikettenschwindel. Das neue Jesus-Buch von Hans Küng ist
kurz gesagt nur eine entschlackte Fassung des schon 1974 erschienen
Bestsellers „Christ sein“. Vielleicht rechnet der Verlag damit, dass die
in die Jahre gekommenen Leser von damals inzwischen vergessen haben, was
sie vor ca. 40 Jahren lasen. Wie man der SPIEGEL-Bestsellerliste
entnehmen kann, scheint das Konzept - mit Gottschalks Hilfe -
sogar aufzugehen.
Küngs Anliegen besteht unverändert fort: Der
historische Jesus, so wie er ihn sich in seiner Fantasie vorstellt
(jeder Theologe stellt sich ihn bekanntlich anders vor), soll als Modell
des Menschseins herhalten und den dogmatischen bzw. kerygmatischen Jesus ersetzen. Hans Küng
gehört zu denen, die immer noch nicht gemerkt haben, dass es kaum einen
Satz in den Evangelien gibt, der nicht kerygmatisch ist. In dieser
Hinsicht ist ihm der Papst haushoch überlegen, nur dass der alle
kerygmatischen Aussagen auch noch für historisch hält. Doch ist das nur
eine lässliche Sünde wider die historische Vernunft und keine wider den
Heiligen Geist wie bei Hans Küng. Zudem hat Küng nicht mitbekommen, dass
die Zeit weitergegangen ist und mit dem historischen Jesus inzwischen
kein Staat bzw. keine Kirche mehr zu machen ist. Eine neue Form der
christlichen Spiritualität ist angesagt (siehe die Osterausgabe der
ZEIT) – und das ist auch gut so. In Abwandlung eines bekannten Spruchs
von Gustav Mahler könnte man sagen: „Religion ist nicht die
Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.“ Der „historische
Jesus“ ist Asche - wahrscheinlich noch nicht einmal das. Beschäftigen
wir uns lieber mit dem Feuer. Beschäftigen wir uns wieder mit dem
kerymatischen Jesus, statt weiter Asche anzubeten. Frohe Ostern!
(hpd) Jesus von Nazaret gilt heute auch
selbst vielen Atheisten als historisch belegte Person. Hermann Detering,
promovierter Theologe und Pfarrer im Ruhestand, hingegen ist nicht
dieser Auffassung. In seinem neuen Buch „Falsche Zeugen.
Außerchristliche Jesuszeugnisse auf dem Prüfstand“ zeigt er, dass auf
die als Belege für die Existenz Jesu herangezogenen antiken Quellen kein
Verlass ist.
Sehr geehrter Herr Detering, hat Jesus wirklich gelebt? Die meisten
Theologen halten die historische Existenz von Jesus von Nazaret durch
biblische wie außerbiblische Zeugnisse hinreichend belegt. Sie sind
anderer Meinung?
Man sollte sich durch so viel Einmütigkeit nicht einschüchtern lassen.
Für mich galt und gilt immer der Satz Bertrand Russells, dass dort
besondere Vorsicht angebracht ist, wo sich alle Experten
einig sind... Weiter
nederlandse vertaling
Hat Jesus wirklich gelebt? Nach Ansicht
der meisten Theologen und Historiker ist die geschichtliche Existenz
Jesu von Nazaret nicht nur durch christliche, sondern auch durch
außerchristliche Quellen klar bezeugt. Als „Kronzeugen“ gelten vor allem
die antiken Historiker Josephus, Tacitus, Sueton sowie der römische
Literat und Statthalter von Bithynien, Plinius der Jüngere.
Moderne Untersuchungsmethoden lassen die Ursprünge des Christentums in
einem neuen Licht erscheinen. Stammt das Testimonium Flavianum, in dem
vom „weisen Mann“ Jesus die Rede ist, tatsächlich aus der Feder des
Josephus? Hat es die neronische Christenverfolgung wirklich gegeben?
Handelt es sich beim „Chrestus“ des Sueton um Jesus? Wie authentisch
sind die „Christenbriefe“ des jüngeren Plinius?
Es zeigt sich, dass die angeblichen „Jesuszeugnisse“ weder einen
historischen Jesus von Nazaret noch die Existenz eines frühen
Christentums im 1. Jahrhundert bezeugen können. Die negativen
historischen Resultate werfen die Frage nach der Bedeutung der
Geschichte für den christlichen Glauben auf.
Aus dem Inhalt
Christliche Interpolationen bei Flavius Josephus * Tacitus: Der Brand
Roms und die „neronische Christenverfolgung“ * Plinius der Jüngere –
Christenverfolgung in Bithynien * Leben und Werk des jüngeren Plinius *
Sueton: Christus in Rom - Sueton und seine Biographien römischer Kaiser
* Mara bar Serapion: der „weise König“ * Thallus: Ein Hinweis auf die
Passionsgeschichte? * Das Schweigen nichtchristlicher Quellen
Erst vor wenigen Wochen entdeckte ich bei
Arnobius (4. Jh. n. Chr.) eine bisher noch ganz
unberücksichtigte Parallele zum Brief des Mara bar Serapion.
Sie ist ein erneutes Indiz für die schon von Kathleen McVey
aufgestellte These, dass der Brief des Mara bar Serapion erst aus
dem vierten nachchristlichen Jahrhundert stammt.
Hier
die Stelle bei Arnonius sowie ein kurzer Kommentar.
Lieber Herr Dr.
Detering,
Gratulation zu Ihrem großartigen Buch!
Mit von Seite zu Seite wachsendem Interesse habe ich Ihre tiefgründige
Studie gelesen. Sie haben damit wieder ein Werk vorgelegt, das zumindest
jeder Theologe zur Kenntnis nehmen sollte und das deshalb in keiner
Uni-Bibliothek fehlen dürfte. Geschrieben vom Experten für Experten,
aber auch so klar und verständlich verfasst, dass es darüber hinaus auch
für historisch interessierte Laien von großem Interesse sein dürfte...
weiterlesen
9. Juni 2011 - Gute 35 Jahre ist das nun her, als ich die
beiden sogenannten „Christenbriefe des Plinius“ (Buch 10, ep. 96 und ep. 97) zum
ersten Mal las. Ich saß damals zusammen mit anderen Theologiestudenten
in einem neutestamentlichen Seminar, dessen Thema ich inzwischen vergessen habe.
Nur an den Novemberregen, der an diesem ungemütlichen Spätnachmittag
gegen die Scheiben prasselte, erinnere ich mich und natürlich an den
Seminarleiter, Professor Walter Schmithals, der mit uns den lateinischen
Text der Briefe las und freundlicherweise auch gleich noch für seine
Studenten übersetzte. Nicht, dass wir das nicht gekonnt hätten. Aber das
war so seine Art. Vielleicht befürchtete er, jemanden in Verlegenheit zu
bringen. Vielleicht wollte er sich auch einfach die Lesung selber
vorbehalten. Seine Vortragsweise – immer ein wenig feierlich und
gravitätisch – machte auch den schläfrigsten Studenten klar, dass wir es
mit einem bedeutsamen historischen Dokument zu tun hatten. Eine der
frühesten Bezeugungen des Christentums vom Anfang des zweiten
Jahrhunderts! Nicht aus der Feder eines Christen, sondern des römischen
Statthalters in Bithynien, Plinius des Jüngeren (61/62- ca. 113/115 n.
Chr.)! ...
Weiterlesen
[Betr.: An den Seelsorger] Lieber Herr Pfarrer,
Wie lebt man mit der Sehnsucht nach Gottes Gegenwart, mit dem Drang nach
„mehr,“ nachdem man Ihre Webseite, Bob Price’s Bücher, Earl Doherty’s
und Harald Specht’s Jesus (letzteres auf Ihre Empfehlung hin), Randel
Helms’ Gospel Fictions, etc., etc., u.s.w. gelesen hat? Auch wenn die
Evangelien „the supreme fiction of our times“ sind, sind sie nicht doch
ein guter blueprint für ein Leben? Ich habe meine Vertäuung
verloren. Ich hielt mich immer für einen abendländischen Katholiken
(nicht römisch!), der Kultur und Tradition zugetan und der historischen
Grundlagen sicher. Jetzt bin ich verunsichert. Habe ich etwas
mißverstanden? Etwas übersehen? Wohin mit Jesus?
Etwas haltlos, WP
Lieber Herr P.,
es handelt sich zweifellos um ein Missverständnis. Denn es ist
keineswegs so, dass mir die „Sehnsucht nach Gottes Gegenwart“, der
„Drang nach ‚mehr’“, von dem Sie schreiben, ganz unbekannt wäre.
Ich hätte sonst nicht Theologie studiert und wäre auch nicht Pfarrer
geworden. Natürlich geht es mir nicht darum, irgendjemandem den „Glauben
zu nehmen“,
schon gar nicht den „Drang nach 'mehr'“ irgendwie zu behindern, im
Gegenteil.
Falls diese Webseite an einem solchen Missverständnis schuldig
sein sollte, muss ich zu meiner Rechtfertigung allerdings bemerken,...
2.2. 2011 Von
Hermann Detering - In
seinem NT-Pod vom 9. Januar 2011 sprichtProf. Mark
Goodacre (Duke University) in einem13-minütigen Beitrag über die
Frage "Did Jesus exist?" Er nimmt darin vor allem auf die in England/USA
erschienenen Publikationen von G.A. Wells (der in Goodacre's
Beitrag im O-Ton zu hören ist!) und Freke-Gandy's "Jesus Mysteries"
Bezug. Goodacre's
Haupteinwand gegen die "Mythicists": Sie würden das Kind mit dem Bade
ausschütten. Es gehe nicht an, die Gestalt Jesu wegen der vielen
mythologischen Züge in den Evangelien für unhistorisch zu erklären. Für
den Historiker der Antike sei es ein bekanntes Phänomen, dass
Personen wie Jesus "nur in der Erinnerung derer überlebten, die darüber
sprechen"; im speziellen Falle sei die Erinnerung an Jesus nach der
Auferstehung durch mythische Elemente angereichert worden, mit anderen
Worten: Der Mythos habe die Geschichte vom Menschen Jesus
aufgesogen bzw. "kontaminiert".
Weiter
„Der Historische Jesus“ von Gerd
Theißen und Annette Merz
Von Hermann Detering, Berlin 2010
Seit seinem Erscheinen 1996/97 hat sich das vom Neutestamentler Gerd
Theißen zusammen mit Annette Merz verfasste Buch über den „Historischen
Jesus“ in Deutschland schnell zum Klassiker entwickelt. Trotz einer
gewissen Sperrigkeit des als Studienbuch konzipierten, mehr als 400
Seiten umfassenden Wälzers sind die Thesen des Buches offenbar
eingängig. Tatsächlich spiegelt sich darin nicht nur die Position der
Autoren, sondern die Summe der Auffassungen heutiger Theologen, Pfarrer,
Kirchenbesucher und Verfasser von Wikipedia-Artikeln wider. Wenn
zukünftige Generationen einmal wissen wollen, welches Jesusbild den
bundesrepublikanischen Protestantismus um die Jahrtausendwende prägte,
werden sie nicht am „Historischen Jesus“ vorbeikommen...
Hat Jesus gelebt? - Die Frage wird vom niederländischen
Neutestamentler Gustaaf A. van den Bergh van Eysinga in verschiedenen
Einzelstudien wissenschaftlich kompetent und ohne jede
Sensationshascherei untersucht. Sein Ergebnis: Jesus war ursprünglich
keine historische Gestalt, sondern die symbolische Darstellung
verschiedener religiöser und philosophischer Ideen der Antike. Der
kirchliche Jesus ist das Resultat eines komplizierten
Historisierungsprozesses. Für den modernen Menschen kommt es darauf an,
religiöse und geschichtliche Wahrheit auseinanderzuhalten und wieder den
ursprünglichen Gleichnischarakter der Christusgestalt zu entdecken.
Der Band versammelt 5 frühchristliche
Studien des holländischen Radikalkritikers.
Inhalt: Lebt Jesus - oder hat er nur gelebt?
Hercules – Christus
Historisierter Mythos
Jesus Christus als Logos
Die Entstehung der katholischen Kirche
Dr. Günther Schwab machte mich auf seine jüngst erschienene
Dissertation, eine zweibändige Echtheitsuntersuchung der Paulusbriefe,
darunter auch der bisher als echt betrachteten Briefe Phlm, Gal, Phil, 1
Thess, aufmerksam. Das Beweisziel klingt vielversprechend. Leider war es
mir bisher noch nicht möglich, mich näher mit dem Werk zu beschäftigen.
Bei der Echtheitskritik des Galaterbriefs scheint, wie aus dem
Inhaltsverzeichnis hervorgeht, vor allem die schon von Bruno Bauer
beobachtete Abhängigkeit von der Apostelgeschichte von großer
Bedeutung zu sein.
Das Beweisziel: "Als Beitrag zur
Erstellung einer philologisch-historisch nachvollziehbaren
echtheitskritischen Beurteilung des Corpus Paulinum und Korrektiv einer
in der Literatur zu den sogenannten Protopaulinen deutlich wahrnehmbaren
einseitigen Favorisierung der Echtheitsmöglichkeit weisen diese Studien
nach, dass die bisherigen Echtheitsurteile über vier der sieben „Protopaulinen“
— Philemonbrief (Phm), Philipperbrief (Phil), Galaterbrief (Gal) und
erster Thessalonikerbrief (1Thess) — unter Ausblendung echtheitskritisch
beachtenswerter Merkmale dieser Texte zustande gekommen sind. Es wäre
kein Zeichen von Parteilichkeit oder irgendeiner anderen
wissenschaftlichen Untugend, würde die etablierte Paulusforschung die
Möglichkeit, dass Phm, Phl, Gal und 1Thess fiktive, nicht von Paulus
stammende Briefe sind, ernster als bisher nehmen und die Echtheitsfrage
für jeden einzelnen „protopaulinischen“ Text neu aufrollen."
Aus dem Geleitwort von Prof. Wolfgang
Speyer
Da der Kanon des Neuen Testamentes Quelle
des christlichen Glaubens ist, waren und sind die Theologen bei der
Kritik der Verfasserschaft, als die die Kirche letztlich den Heiligen
Geist annimmt, weit zurückhaltender als gegenüber den ‚Apokryphen‘. Im
letzten halben Jahrhundert nahmen aber immer mehr Bibelwissenschaftler
zur Kenntnis, dass nicht nur die meisten Apostelschreiben unecht sind,
sondern dass auch das Corpus Paulinum pseudepigraphische Briefe in einem
größeren Maße enthält. So zogen sie sich schließlich auf die Festung von
sieben unbezweifelbaren Briefen des Apostels Paulus zurück.
Von diesen Voraussetzungen aus konnte Dr.
Günther Schwab, der bereits Aufsätze zu Sophokles und Sallust
veröffentlicht hat, die große Aufgabe auf sich nehmen, das, was die
neutestamentliche Wissenschaft bisher unterlassen hat, nachzuholen,
nämlich die Gesichtspunkte zusammenzutragen, die gegen die
Authentizität von vier der sieben ‚echten‘ Briefe des Paulus sprechen:
an Philemon, die Galater, die Philipper und an die Thessaloniker (1
Thess). Von den geplanten Bänden, die diese und die übrigen ‚echten‘
Briefe sprachlich-stilistisch und inhaltlich untersuchen sollen, liegt
hiermit der erste vor.
Der Verfasser analysiert in der weit
gespannten Einführung die Möglichkeiten der Echtheitskritik auf der
Grundlage der philologisch-historischen Methode, wobei er auch die
Vorgangsweisen der heutigen Kriminalistik mitberücksichtigt. So erhalten
wir einen ersten kritischen Überblick über die bisherige Geschichte und
den Inhalt der Echtheitskritik im Blick auf das Corpus Paulinum und auf
dessen Rezeption im 2. Jahrhundert. Dabei sind die Stimmen der
Bibelwissenschaftler des 19. Jahrhunderts ebenso präsent wie die des 20.
und des 21. Jahrhunderts.
Mit Hilfe der Möglichkeiten, die der
Computer bietet, gibt der Verfasser im Hauptteil einen feinteiligen
Sprach- und Stilvergleich zwischen den vier genannten Paulusbriefen und
den übrigen Paulusbriefen sowie der Apostelgeschichte. Das Ergebnis
dieser Untersuchungen zeigt, dass für die Annahme der Unechtheit mehr
spricht, als bislang registriert worden ist. Dem üblichen
Echtheitsurteil stehen beachtenswerte Indizienreihen entgegen.
Für den Mut und den Anstoß, die
Paulus-Frage neu zu durchdenken, gebührt dem Verfasser der Dank der
Mitforschenden.
STUDIES ON THE AUTHENTICITY OF THE FOUR MINOR PAULINE EPISTLES.
Volume 1, half-volumes A and B.
As a contribution to a philologically-historically comprehensible
assessment of the authenticity of the Pauline corpus and as corrective
to the one-sided preference for the possibility of authenticity – a
preference clearly visible in the research literature on the so-called
proto-Pauline epistles – these studies demonstrate that the current
judgments on the authenticity of four of the seven “proto-Pauline”
writings – Philemon (Phm), Philippians (Php), Galatians (Gal) and First
Thessalonians (1 Thess) – have been achieved by disregarding many
features of these texts relevant for judging the probability of
authenticity. It would not be a sign of bias or of any other scientific
vice, if the mainstream of Pauline researchers took the possibility more
seriously than up to now that Phm, Php, Gal and 1Thess are fictional
letters originating not from the apostle Paul, and would be willing to
reconsider the question of authenticity for every single “proto-Pauline”
text.
Jesusbücher gibt es viele,
vielleicht zu viele. Ein Jesusbuch mit einem Fragezeichen war bisher
noch nicht darunter. Nun ist es erschienen. Es heißt schlicht „Jesus?“,
stammt aus der Feder von Harald Specht und hat den Untertitel:
„Tatsachen und Erfindungen“.
Das Fragezeichen gibt die Richtung vor. Der Autor bemüht sich um Antwort
auf Fragen wie z.B.: Hat Jesus wirklich gelebt? War er ein Mensch aus
Fleisch und Blut? Oder ist er nur ein Phantom, die Erfindung einer
frühchristlichen Sekte? Warum weist die Bibel zahlreiche Ungereimtheiten
auf, wenn es um Jesu Herkunft, Geburt und Familie geht? Weshalb agierten
die ersten christlichen Gemeinden im Geheimen? Was hat es mit dem
rätselhaften Stern zu Bethlehem auf sich und wieso beteten noch im
Mittelalter Christen vor dem Petersdom zu Rom die Sonne an? Und was
haben Christus und Weihnachten mit der Wintersonnenwende zu tun? usw.
Die Antworten, dies sei vorweg gesagt, fallen
anders aus, als es die heutigen Leser von Papst Benedikt XVI., Klaus
Berger und Paul Verhoeven gewöhnt sein mögen: nachdenklicher,
skeptischer, kritischer, mit einem Wort radikalkritischer. Bei
der Alternative „Tatsachen oder Erfindungen“, „Fakten oder Fiktionen“
entscheidet sich der Autor in fast allen Fällen zugunsten der letzteren.
Nicht aus Prinzip, sondern mit Argumenten, alten und neuen, stärkeren
und schwächeren.
Den christlichen Quellen ist ein Abschnitt
gewidmet („Jesus im Neuen Testament – irgendetwas stimmt hier nicht“)
ebenso wie den nichtchristlichen: Josephus, Sueton, Tacitus und Plinius.
Weil geschichtliche Vergewisserung hier nimmermehr zu finden ist, bleibt
für den Verfasser „nichts, was wir noch zu glauben hätten.“ Doch ist es
überhaupt vorstellbar, dass wir es bei der Gestalt Jesu mit einer
Fiktion zu tun haben? Kapitel 5, die „Erfindung Jesu“, entwirft
Szenarien, wie es hätte sein können und wie aus einem Mythos Geschichte
werden konnte.
Der Verfasser beschließt sein Buch mit sieben Thesen. Das Buch, das mit
dem Motto „De omnibus dubitandum“ begann, endet, wen wundert’s,
mit der Feststellung, dass Jesus lebt, aber nie gelebt hat. Eine
schlechte Botschaft nur für die, die ihren christlichen Glauben mit dem
Fürwahrhalten historischer Tatbestände verwechselten.
Der Autor hat das Buch verfasst, weil er kein
aktuelles deutschsprachiges Buch fand, das die historische Suche nach
Jesus als Überblick für den Nichtexperten zusammenfasst. Die Lücke zu
füllen, ist ihm voll und ganz gelungen. So ein Buch hat es seit langem
im deutschprachigen Raum nicht gegeben. Eine spannende Tour durch die
Geschichte der Leben-Jesu-Foschung – mit besonderem Schwerpunkt
auf deren weithin vergessenem radikalkritischen Flügel, den „Zweiflern
und Leugnern“ – glänzend geschrieben und trotz seiner gut 600 Seiten
(654 mit Anmerkungen) sehr kurzweilig. Das richtige Buch für den
Weihnachtsgabentisch für alle, die es schon immer etwas genauer wissen
wollen und sich nicht mit frommen Sprüchen abspeisen lassen.
Dr. Harald Specht ist deutscher Wissenschaftler und Autor. Neben mehr
als 70 wissenschaftlichen Publikationen sowie zahlreichen Drehbüchern
und Filmkommentaren verfasste er auch mehrere Sachbücher und Romane.
Harald Specht: Jesus?
Tatsachen und Erfindungen, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2010
(19,90€) .
amazon
libri
“It is my intention, with the assistance of God, as
long as He grants me life, to show that all writings which are
commonly thought to be old, are in fact, with certain exceptions to be
presently named, supposititious, and the fabrication of an unprincipled
crew of literary men … What matters it, I pray you, that no one before
my time has said what I have just said … ”
(Hardouin, Prolegomena)
***
In his famous “Prolegomena” the Jesuit Jean Hardouin
(1646-1729) developed the thesis that the greater part of Classical
literature, along with most Christian patristic literature, had been
fabricated by a crew of forgers in the thirteenth and fourteenth
centuries.
Juni 2010
- Die Welt des frühen Christentums = ein historisch unbezeugtes
„Metaversum“ – Jesus und die Apostel = pseudo-historische Gründergestalten
der Kirche des 2. Jahrhunderts. So etwa lauten
die bahnbrechenden Thesen des Historikers Edwin Johnson (1842-1901).
Trotz seiner Bedeutung geriet das erstmals 1887 anonym erschienene Buch
bald wieder in Vergessenheit. Erst in den
letzten Jahren ist das Werk aus der „Bibliothek der vergessenen Bücher“
wiederentdeckt worden. Durch die in den angelsächsischen Ländern
aufgeflammte Debatte über die Existenz des „Historischen Jesus“ (G.A.
Wells, T. Freke/P. Gandy, Earl Doherty, R. J. Hoffmann, Robert M. Price)
haben Johnsons Thesen neue Aktualität bekommen. Inzwischen ist sein Werk
ein Geheimtipp unter Chronologie- und Radikalkritikern. Bei der
vorliegenden Übertragung von Frans-Joris Fabri handelt es sich um die
erste deutsche Übersetzung des Buches. Eingeleitet wird sie mit
einem Vorwort von Hermann Detering.
„Es gehört eine tiefe Kenntnis der Probleme … dazu, um diese Versuche
…
nicht einfach als absurd bei Seite zu schieben.“ Adolf von Harnack
Antiqua Mater is the result of a keen-eyed and innovative scholar
actually managing to set aside all the ingrained preconceptions and
conventional assumptions, and to take a genuinely fresh look at
too-familiar data. As you read it, you will find yourself held
accountable for every agreement and disagreement with the author. How
tragic! Not to be able to take anything for granted anymore! Prof. Robert M. Price, Verfasser von „Deconstructing Jesus“
Ein Klassiker der historischen Kritik … würdig, neben den Werken von
Reimarus, David Friedrich Strauß, F.C. Baur und Bruno Bauer genannt zu
werden Dr. Hermann Detering
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"Hermann Detering once
again proves himself the most keenly insightful New Testament scholar of
this generation,
worthy to stand among the neglected giants of the radical criticism
whose work
he has brought to light to stir today's Bible students
from their deep
dogmatic slumbers.
My own debt to his work is profound."
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Das Urchristentum im Zwielicht. [Kindle Edition] 2012
...die
protestantische Skandalerscheinung des letzten Jahres - Roger
Thiede, FOCUS
Kuckucksei - Der Wahnsinn hat Methode
- Prof. Eta Linnemann
Auf F. C. Baur folgte ein Bruno Bauer und auf
Rudolf Bultmann ein Herbert Braun. Man könnte hinzufügen: auf Schmithals
ein Detering - Prof. M. Hengel
Detering ist kein Sensationsjournalist vom
Kaliber des unseligen Tandems Baigent/Leigh. Seine Thesen verdienen eine
ernsthafte Auseinandersetzung - Pfr. Fritz Gloor,
Reformiertes Forum
Hardouins Prolegomena
Soeben erschienen (März
2012)
(11,99 €)
New Testament scholar Robert M. Price, one
of America's leading authorities on the Bible, here summarizes much of
the scholarship that has led him and a growing number of modern scholars
to conclude that Christ -- a partial synonym for Jesus of Nazareth -- is
mythical. Most usefully, Price has assembled evidence that shows that
almost the entire "biography of Jesus" has been created from Greek Old
Testament stories and themes and even incorporates motifs from Homer,
Euripides, and perhaps Aesop. Because readers will have a hard time "taking
it on faith" that the Jesus biography is merely a reworking of previous
material, broad swaths of "Old Testament" context are quoted in
association with each New Testament equivalent, so readers can judge for
themselves whether or not Dr. Price's claim be true: the "Live of
Christ" was not fulfillment of Old Testament prophecies; it was, rather,
a conscious reworking of earlier literature.
Zitat:
Der Jungfrauen-Sohn, der Auferstandene und gen Himmel Gefahrene ist als
historische Persönlichkeit genau so unvorstellbar, wie der johanneische
Christus.